Die Geschichte des Bahnhofs im Spreewald

Errichtet 1914 auf Initiative von Karl Lehmann, seinerzeit Reichstagsmitglied und Bewohner von Lubolz, entstand dieser Bahnhof mit dem ehrgeizigen Anspruch, ein repräsentatives Empfangsgebäude zu schaffen.

Das zweistöckige Gebäude vereinte verschiedene Funktionen unter einem Dach: Während das Obergeschoss die Dienstwohnung beherbergte, befanden sich im Erdgeschoss die geräumige Wartehalle, die notwendigen Diensträume sowie ein angeschlossener Güterschuppen.


 

Die Blütezeit des Bahnhofs

Der Bahnhof Lubolz war Teil der historischen Berlin–Görlitz–Bahn, einst viel genutzt für den Transport von Gütern aus der Region in die Städte. Heute vor allem von Pendler:innen und Berlinbesuchern für Ausflüge in den Spreewald.

Bethel Henry Strousberg, ein Großunternehmer der Gründerzeit, verfolgte seit Anfang der 1860er Jahre Pläne, Eisenbahnen in Preußen zu bauen. Ihm sind unter anderem die Strecken Berlin–Görlitz, Hannover–Altenbeken, Bahnstrecke Insterburg–Tilsit und Breslau–Tarnowitz zu verdanken.

Jahre des Stillstands

Der Bahnhof wurde Ende der 2010er Jahre von der Deutschen Bahn stillgelegt; der reguläre Haltebetrieb läuft seitdem über einen neuen Haltepunkt etwa 40 m entfernt, der stündlich von dem Regionalexpress RE7 bedient wird.

Das Gebäude verfiel zusehends. Zerbrochene Fensterscheiben ließen Wind und Wetter eindringen, während sich die Natur ihren Weg bahnte – Kletterpflanzen drangen durch Risse und Öffnungen vor und eroberten die verlassenen Räume.

Zu neuem Leben erweckt

2020 erfolgte der Verkauf an die Unternehmerin Vera Heuser, die das Gebäude und den Garten sehr behutsam renoviert hat und darauf bedacht war, den Bahnhofscharakter zu erhalten.

Es entstanden zwei liebevoll umgestaltete Ferienwohnungen – ein attraktives Angebot für Gäste, die den Spreewald entdecken möchten.

 

Vision - Kulturbahnhof Lubolz

Der Verein Kulturbahnhof Lubolz e.V. i.G. möchte das historische Gelände zu einer lebendigen, weltoffenen und inklusiven kreativen Plattform entwickeln: Geplant sind Workshops für Keramik, Fotografie und bildende Kunst, die allen Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder körperlichen Voraussetzungen offenstehen. Ergänzend sollen Angebote zu ökologischem Bauen und nachhaltiger Gärtnerei das Programm bereichern. Ab 2026 werden zudem kulturelle Veranstaltungen, Kunstausstellungen und Hauskonzerte das Bahnhofsgebäude mit Leben füllen.

In den kommenden Jahren soll ein Keramikatelier im ehemaligen Güterschuppen entstehen. Anwohner und Feriengäste können dort lernen, wie man töpfert und fertige Keramiken bemalen können. 

 

 

Nebengebäude

Das idyllische Nebengebäude am Ende des Gartens versprüht einen einzigartigen Charme. Der kleine Komplex umfasst fünf Räume, die früher vielseitig genutzt wurden: als handwerkliche Werkstätten, Tierställe und praktische Lagerräume. Zwei öffentliche Toiletten standen den Passagieren zur Verfügung, die auf ihren Zug warteten.

Sie können etwas zur Geschichte des Bahnhofs beitragen?

Wir freuen uns natürlich, wenn wir weitere Informationen hinzufügen können. Bitte senden Sie uns daher gerne Fotos oder auch andere Hinweise zum Bahnhof Lubolz zu.

Der Garten vor und nach der Renovierung

Der 1.700 Quadratmeter große Garten stellte eine besondere Herausforderung dar. Zunächst mussten alte Tierställe aus Wellblech und ein Hühnerstall abgerissen und fachgerecht entsorgt werden. Anschließend wurde das gesamte Grundstück eingezäunt und ein Holztor installiert. Im nächsten Schritt konnte frischer Mutterboden aufgebracht und sowohl Rasen als auch heimische Pflanzen angesät beziehungsweise angepflanzt werden.

Aus dem Archiv Dessau 

Bei der Recherche in Archiven sind wir auf diese Briefe gestoßen, die der Erbauung des Bahnhofs Lubolz vorangegangen sind. In den Briefen wird um die Errichtung einer Güterladestelle gebeten. Dies war notwendig geworden, damit die Güter wie künstliche Düngemittel, Kohle und Ziegel aus den nahe gelegenen Ziegeleien schneller verladen werden können. Zeitgleich sollte auch eine Wartehalle erbaut werden, damit die Leute nicht bei Wind und Wetter draussen stehen mussten, falls der Zug verspätet ist.

Brief des Regierungs-Präsidenten an die Königliche Eisenbahndirection zu Berlin vom 08.02.1892

In den Archiven von Dessau wurden wir fündig.

Es gab Vermessungsunterlagen, Zeichnungen und alte Briefe.

Leider konnten wir nirgendwo Fotos vom neugebauten Bahnhof entdecken.

Brief des Ministers für öffentliche Arbeiten an die königliche Eisenbahndirection Halle vom 12.02.1909
Brief des Königlichen Eisenbahn-Betriebsamt an die Königliche Eisenbahn-Direction vom 11.11.1891
 
Brief des Gemeindevorstehers Heinze an den Landrat Freiherrn von Manteuffel vom 16.11.1904 - Seite 1
Brief des Gemeindevorstehers Heinze an den Landrat Freiherrn von Manteuffel vom 16.11.1904 - Seite 2
Brief der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg an die Königliche Eisenbahndirection in Halle vom 14.07.1909 - Seite 1
Brief der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg an die Königliche Eisenbahndirection in Halle vom 14.07.1909 - Seite 2

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